S21 teuer – für Beschäftigte der DB

14. Dezember 2012 (aus Anlass der erstmals zugegebenen Kostensteigerungen in Milliardenhöhe)
 

Stuttgart 21 wird teuer – für die Bahnbeschäftigten

Jetzt wird’s eng für die Beschäftigten der Bahn, befürchten die GewerkschafterInnen gegen Stuttgart 21.

Denn nach der Aufsichtsratssitzung der DB AG vom 12. Dez. 2012 ist klar: es gibt eine Explosion der Kosten auf 6.8 Mrd. €. Ziemlich klar ist auch, dass diese gigantische Kostensteigerung um 2,3 Mrd. € die Bahn allein wird tragen müssen.

Die knappe Hälfte, selbst verschuldete Mehrkosten, will der Konzern allein schultern. Den „Rest“ sollen Stadt und Land aufbringen – wozu diese aber mit guten Gründen nicht bereit sind. Denn Mehrkosten durch Neuplanungen auf den Fildern oder infolge der Geißlerschen Schlichtung sind keine Extrawünsche, sondern gehen auch auf Planungsdefizite der Bahn zurück.

Hinzu kommen weitere Milliardenrisiken durch Unkalkulierbarkeit der Geologie, Fehlplanung Grundwassermanagement, Unterschätzung Mehraufwand Brandschutz (hier geht es um Milliarden und nicht Millionen, s. Berliner Airport), jahrelange Verzögerungen mit Regressforderungen, sowie einen möglicherweise später durch Gerichte erzwungenen Baustopp, z.B. wegen betrügerischer Angaben der Bahn AG über die Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21.

Es werden also nicht nur die jetzt bekannten 2.3 Mrd. € bei der Bahn hängen bleiben, sondern ziemlich sicher viel, viel mehr. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die Preisschraube dürfte bei Fahr- und Trassenpreisen schon überdreht sein. Weitere Einsparungen bei Erhaltungsinvestitionen – nach den Pannen und Beinahekatastrophen der letzten Wochen kaum denkbar. Kürzungen bei anderen Infrastrukturprojekten werden zwar immer dementiert, sind dennoch zu erwarten.

Was bleibt ist der große Posten Personal.

Als Dank dafür, dass sich die Beschäftigten täglich den Unmut über Verspätungen und Pannen anhören müssen, die letztlich der Vorstand zu verantworten hat, droht nun eine Welle von Einsparungen im Tarifbereich und weiterer Arbeitsplatzabbau – und dies nachdem die Beinahe- Katastrophe von Feuerbach, bei der am 30. November nachts um 4.00 Uhr drei mit 200t Eisenbahnschienen beladene Güterwagen nach 7 km Geisterfahrt mit etwa 70 km/h in den Vorort-Bahnhof Feuerbach rasten, offensichtlich ihre Ursache in der personellen Unterbesetzung des Güterbahnhofes Kornwestheim (12 Stellen unbesetzt) hatte.

Das langfristig größte Risiko für die Bahnbeschäftigten sehen die Gewerkschafter gegen S 21 in den immensen Reputationsschäden, die aus dem einst als zuverlässig und seriös geltenden Unternehmen („unsere Bahn“) einen der best gehassten Akteure im kapitalistischen Monopoly gemacht haben. Wer die Bahninfrastruktur vergammeln lässt, notorisch unpünktlich ist, Öffentlichkeit und Parlamente hintergeht und erpresst, verspielt die Unternehmenszukunft. Nur eine bei den Bahnkunden und als Vertragspartner geschätzte Bahn bietet langfristig gute und sichere Arbeitsplätze.

Während die Beschäftigten immer größeren Risiken entgegen sehen, bringen die Verantwortlichen ihre Schäfchen gerade ins Trockene. Seinen Vertrag hat sich Bahnchef Grube vorzeitig vom Aufsichtsrat verlängern lassen, wohl wissend, dass es eher um Rauswurf als Vertragsverlängerung gehen wird, wenn die ganze Wahrheit, insbesondere der Betrug in der Frage der Leistungsfähigkeit von S 21, ans Tageslicht kommt.

Für die auf Kosten des Unternehmens vollkaskoversicherten Aufsichtsräte will AR-Vorsitzender Utz-Hellmuth Felcht per Rechtsgutachten klären lassen, ob sie auch gegen mögliche Schadenersatzansprüche von dritter Seite abgesichert sind.

Immerhin scheinen die Arbeitnehmer im mitbestimmten Aufsichtsrat der Bahn, die bisher die S 21 Politik des Unternehmens immer mitgetragen hatten, nun auf die Bremse zu steigen. Auf ihren Einspruch scheint zurückzuführen zu sein, dass die „Einfach-weiter-so“ – Vorlage von Grube/Kefer nicht durchkam. Grubes Vertragsverlängerung ist hoffentlich gegen ihr Votum erfolgt.

Lesen/Downloaden Sie auch Unseren Flyer hierzu.

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